Patrik Ringborg, Dirigent

So berichteten die Medien über Wagners "Das Rheingold" am Theater Freiburg, Oktober 2006:

... dass der Götterclan nach bezahlter Schuld den Zuschauerraum bezieht - das hat schon kommunalpolitische Dimensionen...
Die hat dieses "Rheingold" im Grunde auch in musikalischer Hinsicht. Die Klasse, die das Philharmonische Orchester auch unter seinem neuen Chefdirigenten Patrik Ringborg offenbart, verweist seine Kritiker nach Absurdistan. Vom ersten Moment an, dem archaisch tiefen Es "auf dem Grunde des Rheins", bis zum Pathos des Des-Dur-Finales machen die Philharmoniker die Partitur zu ihrer ureigensten Sache, leuchten in die tiefsten Winkel ihrer Kontrapunktik und verblüffen ein aufs andere Mal mit solistischen und chorischen Glanzleistungen (Hörner, Violinen, Blechbläser und, und, und). Der Partnerschaft mit dem neuen Chef wünschte man schon nach diesem Abend eine größere Dauer, denn ihre Sprache ist Harmonie. Ringborg ist ein erfahrener, umsichtiger Wagner-Dirigent, der auch einem "Rheingold" zumal in Tempofragen noch Überraschendes abgewinnen kann. Und der Sänger zu führen versteht. Die Balance zwischen Graben und Bühne ist exzellent, und trotzdem wird das Orchester nie nur zugedeckelt oder müssen die Solisten permanent forcieren.
Zumal das Theater Freiburg nicht mit glamourösen Gastverpflichtungen, sondern mit einem schönen Beispiel für Ensemblekultur aufwartet. ... Großer, lang anhaltender Beifall. Auf diesen Grundmauern des neuen Freiburger Musiktheaters lässt sich getrost weiterbauen.

(Badische Zeitung, 09.10.2006)
(Festspiele.de, 10.10.2006)
(Südwest Presse, 18.10.2006)

Dass Barbara Mundels Einstand so rundum überzeugend ausfiel, lag auch am Dirigenten Patrik Ringborg, der in der 90er Jahren Kapellmeister in Freiburg war und jetzt an seine frühere Wirkungsstätte zurückkehrte. In Freiburg ist die Stelle des Generalmusikdirektors ... nach wie vor vakant, und eine eindrücklichere Empfehlung als dieses "Rheingold" hätte Ringborg tatsächlich nicht abgeben können. Was die Musiker an Klangsensibilität bei der Sängerbegleitung und im übrigen an Ausdrucksfähigkeit einbrachten, war aller Ehren wert.
(Stuttgarter Nachrichten, 11.10.2006)

Die gute Nachricht vorweg: Das Freiburger Opernorchester ließ unter seinem Interimschef Patrik Ringborg aufhorchen, von zartesten Instrumentalmelismen bis zu beinahe gewalttätigem Brummen und Brausen war viel geboten.
Ringborg, der auch an der neuen kritischen Wagner-Ausgabe mitarbeitet, legte ein äußerst vielfältiges Spektrum an Effekten und Affekten frei, von klangsinnlich gedehnten Blechfiguren bis zu impulsiv aufgeladenen Tutti-Stellen - alles nie zu Lasten des dramatischen Gesamtbogens, der übrigens in weniger als zweieinhalb Stunden geschlossen wurde. Zu diesem frischen, unverbrauchten Wagnerklang trugen einige herausragende Sängerleistungen bei...

(Deutschlandradio, 09.10.2006)

Also lässt Intendantin Barbara Mundel zu ihrer ersten Spielzeiteröffnung "Rheingold" ohne den Zusatz "Fortsetzung folgt" spielen. Wäre sie wünschenswert? Was das Musikalische anbelangt: Auf jeden Fall. Wobei Chefdirigent Patrik Ringborg bislang nur fürs Interim bis zum nächsten Generalmusikdirektor verpflichtet ist. ... Vieles spricht für den schwedischen Dirigenten, der seine Karriere im übrigen in Freiburg begonnen hat: Offenbar stimmt die Chemie mit Intendantin und Orchester, Ringborg kennt das Haus, verfügt über großes Repertoire und - kann dirigieren. ... Und bei "Rheingold" merkt man die Wagner-Erfahrung des ständigen Gastdirigenten der Göteborger Oper. Ringborg legt die Details der Partitur mit großer weitsicht offen, lässt in mancher Tempofrage aufhorchen und weiß, wie er mit einem teilweise über sich selbst hinaus wachsenden Philharmonischen Orchester sich durch mangelnde Größe ergebende klangliche Defizite kompensieren kann. Dazu kommt eine exzellente Balance...
(Die deutsche Bühne, 12.2006)

Wann hat man je nach einer Premiere ein ganzes Wagner-Orchester sich auf der Bühne verneigen sehen? In diesem Fall war dies mehrfach berechtigt - zunächst als Dank für die Fähigkeit, die Musik sängerfreundlich ganz auf schlanke Linie und irisierende Farbe zu setzen und sie so in ihrem inneren Beziehungsreichtum offenzulegen. Sodann als Demonstration für den Teamgeist des Hauses, den Barbara Mundel gegen den städtischen Widerstand ins Feld führt. Und nicht zuletzt als Anerkennung für den jungen, offenbar fähigen schwedischen Kapellmeister Patrik Ringborg mit seiner jahrelangen Freiburger Erfahrung, die ihm jetzt als Interims-Chefdirigent zugute kommt. ... Hundertdreissig Dirigenten haben sich beworben - Ringborg ist nicht darunter. Doch offenbar mag ihn das Philharmonische Orchester Freiburg. Man sollte nachdenken.
(FAZ, 10.10.2006)

Entmystifizierung ist auch das Stichwort für die musikalische Interpretation durch Patrik Ringborg am Pult des Philharmonischen Orchesters Freiburg. Er spart mit Weihrauch und setzt stattdessen auf einen möglichst unpathetischen, zuckerfreien, aber stringenten Wagner. Das Walhallamotiv etwa wirkt geradezu tänzelnd und dezent, eine wunderbare Bläserkultur zeigt sich her...
(Südkurier, 09.10.2006)

Plötzlich ist es stockdunkel, selbst die Pultlämpchen im Orchestergraben sind ausgeschaltet. Nur die grünen Notausgangsschilder über den Eingangstüren sind noch zu sehen. ... Der Lärmpegel senkt sich, die Spannung wächst. Dann erklingt wie von weit her das tiefe Es der Kontrabässe aus dem Orchestergraben. Der Hörnerchor setzt im Piano ein, dann fächern die Celli den Es-Ackord ins Unendliche auf. Zum allmählichen Crescendo im Orchester schwindet nach und nach die Dunkelheit.
... die Interpretation der Freiburger Philharmoniker trifft von Beginn an die richtige Balance (besuchte Vorstellung: 20. Oktober). Patrik Ringborg, der für eine Spielzeit als Chefdirigent ans Freiburger Theater zurückgekehrt ist, lässt mit dem Orchester einen farbenreichen Klang entstehen, der immer wieder ins pianissimo abtaucht. Das ist kein Wagner mit der Brechstange, sondern ein weich abgestuftes, differenziertes Musizieren, wohin man auch hört.

(Kulturjoker, 11.2006)

... Ein einstweiliger Beginn auch im stockfinsteren Orchestergraben. Am Pult des selbst in heiklen Momenten trittfesten Freiburger Philharmonischen Orchesters steht Patrik Ringborg, in den Neunzigern Erster Kapellmeister am Hause, später dann in Essen und jetzt noch bis zur - bis dato misslich verlaufenen - Wahl eines neuen Generalmusikdirektors Interimschef. Denjenigen, die ihn am liebsten gleich ganz behielten, bescherte der Freiburger Premierenabend Argumentationshilfe. Seine Arbeit galt einem Wagner des Understatements: "Das Rheingold" als Konversationsstück, ein bei aller Diskretion sehr präsentes Auffächern der Orchesterstimmen mit minutiös ausgesteuerten Überleitungsstrecken...
(Stuttgarter Zeitung, 10.10.2006)
(Mannheimer Morgen, 16.10.2006)

Erfreulicherweise konnte man auch folgende, wie wir finden, fachmännisch fundierte Aussage lesen: Freiburg war schon immer ein Sprungbrett für junge Künstler. Das gilt auch für den schwedischen Dirigenten Patrik Ringborg. Nachdem Karen Kamensek Freiburg vorzeitig verlassen hatte, wurde Ringborg für eine Spielzeit als Chefdirigent engagiert - inzwischen ist er Generalmusikdirektor in Kassel. Seine Spuren hat er trotzdem hinterlassen. Bereits bei dem "Rheingold" ließ die Pianokultur des nur über 65 Stellen verfügenden Orchesters aufhorchen.
(Süddeutsche Zeitung, 04.04.2008)

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